Am 12. Juli endete ein insgesamt dreitägiges - von der Landesinitiative „Leben ohne Qualm“ (LoQ) und dem Landschaftsverband Rheinland angebotenes - Seminar für pädagogische Fachkräfte aus Jugendhilfe-Einrichtungen.
Aufbauend auf dem bewährten MOVE-Konzept (Motivierende Gesprächsführung für konsumierende Jugendliche), wurden den Teilnehmenden wichtige Gesprächstechniken im Umgang mit rauchenden Jugendlichen vermittelt, die im bewegten Einrichtungsalltag vielfältig integrierbar sind.
Die 16 pädagogischen Mitarbeiter/innen aus verschiedenen rheinländischen Jugendhilfeeinrichtungen äußerten sich positiv und zuversichtlich zu den vermittelten Seminarinhalten: einiges von dem Gelernten und vor Ort Erprobten sei vertraut, vieles sei wichtig für einen erfolgversprechenden motivierenden Umgang mit den Jugendlichen und, das Wichtigste: das meiste sei in die Alltagspraxis übertragbar.
Gelobt wurde sowohl das Gruppen-Setting als auch der Austausch in Form von Gruppenarbeiten zu den einzelnen MOVE Bausteinen. Vergnügen bereiteten auch die z.T. durch Körpereinsatz veranschaulichten Lerninhalte. Erstaunlich, wie sich Grundlagen fernöstlicher Kampfsportarten auch für die Kommunikation nutzbar machen lassen, wie sich Angriffe und Widerstand auffangen und produktiv umlenken lassen…!
Im Rahmen des 3-tägigen Seminars wurden jedoch auch die Schwierigkeiten und Grenzen der Umsetzung von tabakpräventiven Maßnahmen im gesetzlich vorgegebenen Rahmen deutlich.
Obwohl einige Einrichtungen durchaus positive Erfahrungen mit eingeführten Maßnahmen zur Tabakprävention gemacht haben, ist eine rauchfreie Einrichtung für die meisten nicht ad hoc umsetzbar. Hohe Raucher/innen-Quoten – sowohl unter den Jugendlichen als auch unter den Mitarbeitenden -, vielfältige Problemlagen der Jugendlichen und knappe personelle Ressourcen erschweren die Umsetzung des Rauchverbotes und ein Engagement für die Förderung des Nichtrauchens.
Ob klare Hausregeln, Angebote und Projekte für Jugendliche, Gespräche mit rauchenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, alternative Tagesstrukturen sowie Motivations- und Belohnungssysteme: die Einrichtungen haben sich auf den Weg gemacht!
Ihre Bemühungen führen sie „einen Schritt weiter“ auf dem Weg zur rauchfreien Einrichtung.
Denn: Kaum eine Einrichtung ist „von heute auf morgen“ rauchfrei geworden. Vielmehr ist der Weg zur rauchfreien Einrichtung vergleichbar dem persönlichen Veränderungsprozess eines rauchenden Jugendlichen: Die rauchfreie Einrichtung ist ein Prozess!
Die Erfahrungen zeigten auch: ein wichtiges, ausschlaggebendes Element für den Veränderungsprozess ist die eigene Haltung der Mitarbeiter/innen einer Einrichtung zum Rauchen und zur Tabakprävention.
Die Landesinitiative wird in 2010/2011 weitere Angebote machen und die Einrichtungen mit konzeptionellen Grundlagen und Materialien unterstützen.
Die Tabakprävention ist ein wichtiges Element im Rahmen der Suchtprävention, die wiederum als Teil der Gesundheitsförderung im Erziehungsauftrag der Jugendhilfe verankert ist. Zudem gilt in den Einrichtungen mit Verabschiedung des Nichtraucherschutzgesetzes ein generelles Rauchverbot.
Ein großer Teil der Jugendlichen in den Jugendhilfe-Einrichtungen raucht.
Wollen Mitarbeiter/innen den vertrauensvollen Kontakt zu den Jugendlichen nicht gefährden, so sind im Alltag vor die Fragen gestellt
Zudem sind die rauchenden Mitarbeiter/innen aufgefordert, ihr eigenes Rauchverhalten zu reflektieren.
Das MOVE-Konzept verfolgt nunmehr den Ansatz, dass eine Verhaltensänderung – so z.B. die Zügelung oder Aufgabe des Rauchens - nicht von heute auf morgen passiert, sondern ein Prozess ist, der in aufeinander folgenden Phasen bzw. Stufen verläuft.
In der Beratung von Jugendlichen gilt es, entsprechende motivierende Impulse zu geben, die den persönlichen Veränderungsprozess des Jugendlichen anregen und vorantreiben. Je nachdem, wie weit die/der Jugendliche bereit ist, ihr/sein Verhalten zu ändern (= Stadium der Veränderungsbereitschaft), greifen spezifische Interventionen in Form von Gesprächstechniken und Handlungsstrategien.
Diese werden in den Fortbildungen theoretisch vermittelt und in Rollenspielen praktisch erprobt.
Da der Erfolg der Gespräche zwischen Jugendlichem und Kontaktperson nicht zwingend von deren Länge abhängig ist, bieten typische „Tür-und-Angel-Gespräche“ im Einrichtungs-Alltag eine neue Chance in Kontakt zu treten und diesen positiv zu nutzen.
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