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Projekt

Einsatz jugendlicher ‚peer-leader' in der schulischen Suchtprävention

Im Sommer 1996 initiierte das Gesprächs-, Informations- und Kontaktzentrum (GINKO) in Mülheim ein Interventionsprogramm an einer Mülheimer Gesamtschule. Vor dem Hintergrund, dass wissenschaftliche Studien belegen, dass die Einbeziehung von Jugendlichen die Effektivität von Maßnahmen Suchtprophylaxe erheblich verbessern kann. Vor diesem Hintergrund war es Ziel des Projektes, jugendliche peer leader (Jugendliche, die in Fragen zu "Mode", "Konsumverhalten", "Konfliktlösungsmustern" und "Kontaktverhalten" eine Vorbildfunktion haben) für diese Arbeit auszubilden, zu betreuen und in schulische Präventionsprogramme zu integrieren.

Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleituntersuchung erhärteten dann auch diese Annahme. So zeitigte die langfristig angelegte Präventionsarbeit (Jahrgang 5-9) eindeutig positive Effekte, sowohl nun in Hinblick auf den Umgang mit legalen und illegalen Drogen als auch bezüglich des Sozialverhaltens der Kinder.
Bei der wissenschaftlichen Begleituntersuchung handelte es sich um eine Panel-Studie mit drei verschiedenen Erhebungszeitpunkten. Befragt wurden insgesamt zwei Schulklassen unter Zuhilfenahme sogenannter teilstandardisierter Fragebögen. Die Schüler aus der Experimentalgruppe (n=29) nahmen an dem Interventionsprogramm teil, die Schüler der Kontrollgruppe (n=29) kamen von einer anderen Schule und wurden nicht von Mediatoren besonders suchtpräventiv betreut.
Was die Effektivität dieses schulischen Suchtpräventionsprogramms anbelangt, konnte die Arbeit der Mediatoren hinsichtlich des Herausschiebens des Probierkonsums mit legalen und illegalen Drogen keinen Erfolg verbuchen. In Bezug auf Alkohol wiesen die Kinder aus der Experimentalgruppe jedoch eine weitaus niedrigere Affinität zu einem exzessiven Alkoholkonsum auf. Auch bezüglich des Rauchens ist zu konstatieren, dass der prozentuale Anteil der gelegentlichen und regelmäßigen Raucher in der Experimentalgruppe deutlich niedriger lag. Darüber hinaus gingen weniger Jugendliche aus der Experimentalgruppe davon aus, zukünftig zu rauchen. Auffällig war des weiteren, dass die Kinder aus der Kontrollgruppe Ecstasy- und LSD-Konsum im Freundeskreis moderater beurteilten als die Kinder aus der Experimentalgruppe.
Was die Themen AIDS und Verhütung anbelangte, zeigten sich die Kinder aus der Experimentalgruppe besser informiert. Bezüglich des kriminellen Verhaltens gab es ebenfalls gravierende Unterschiede zwischen Experimental- und Kontrollgruppe. Sowohl hinsichtlich Gewalt- und Eigentumsdelikten waren die Kinder der Kontrollgruppe deutlich auffälliger.
Aufgrund der kleinen Stichprobe sind jedoch weitere Projekte mit größeren Populationen erforderlich, um im Rahmen einer breiter angelegten Studie die Gültigkeit der getroffenen Aussagen erhärten zu können.

Schweer, Th. (2000): "Einsatz jugendlicher ‚peer-leaders' in der Suchtprävention". Projektbericht der Evaluationsstudie im Auftrag des Gesprächs-, Informations- und Kontaktzentrums (GINKO) Mülheim. Rhein-Ruhr-Institut für Sozialforschung und Politikberatung, Duisburg. 2000