Als Ergänzung des Stufenprogramms der Bundesärztekammer und der Kassenärztlichen Vereinigung -"Frei von Tabak" - hat das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg das Konzept der "Rauchersprechstunde" veröffentlicht. Vorgestellt wird ein modular aufgebautes Einzelberatungskonzept, das die festgestellte Lücke zwischen Kurzberatung und Gruppenprogrammen schließen will.
Die einzelnen Module können je nach Bedarf eingesetzt werden. So ist es möglich, dass sowohl den unterschiedlichen Stadien der Veränderungsbereitschaft (nach Prochaska und DiClemente) der Klienten als auch den Ansprüchen und organisatorischen Rahmenbedingungen in den verschiedenen Einrichtungen wie Kliniken, Praxen, Beratungsstellen, Gesundheitsämtern u.a. Rechnung getragen werden kann.
Die Rauchersprechstunde wird für den stationären Bereich als
Pflichtprogramm empfohlen und sollte - so die Herausgeber - fester Bestandteil
des jeweiligen Versorgungsangebotes sein. Sie kann von Ärzten, Apothekern,
Psychologen, Sozialarbeitern, Sozialpädagogen, Krankenschwestern
und Krankenpflegern sowie examinierten Mitarbeitern anderer Gesundheitsberufe
durchgeführt werden.
Kenntnisse und Erfahrungen in Gesprächsführung und Raucherentwöhnungsmaßnahmen
und - insbesondere bei bestehenden Risikofaktoren und Erkrankungen - die
Zusammenarbeit mit einem Arzt werden empfohlen.
Das Beratungskonzept sieht neben einem Informationskontakt, bei dem offene
Fragen zum Beratungsverlauf besprochen werden, durchschnittlich fünf
Einzelkontakte bei einem Zeitbedarf von jeweils ca. 30 Minuten vor.
Zur Arbeitserleichterung wurden für die Rauchersprechstunde Dokumentationsbögen
zu den einzelnen Stadien der Veränderungsbereitschaft und weiteren
Aspekten des Rauchverhaltens für den Therapeuten oder die Therapeutin
sowie Arbeitsblätter zur Weitergabe an die Klienten entwickelt. Eine
Checkliste mit Empfehlungen für schwierige Situationen liegt ebenfalls
vor.
Der Einsatz der Rauchersprechstunde wird besonders bei Raucherinnen und
Rauchern mit schwerer Tabakabhängigkeit empfohlen.
Die in der "Rauchersprechstunde" vorgestellten Beratungskonzepte wurden von Dipl. Psych. Peter Lindinger im Rahmen eines WHO Partnerschaftsprojektes und in Zusammenarbeit mit Experten in der Raucherentwöhnung und dem Wissenschaftlichen Aktionskreis Tabakabhängigkeit (WAT) entwickelt.
Deutsches Krebsforschungszentrum (Hg.): Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle Band 1: Die Rauchersprechstunde - Beratungskonzept für Gesundheitsberufe, Heidelberg 2000. Kontakt: 06221/42-3007, Fax: 06221/42-3020.