Tabakprävention in Schritten


Rauchfreie Jugendhilfe nach oben

Günstiger Trend: Weniger Jugendliche rauchen

Das Zusammenwirken vielfältiger Präventionsmaßnahmen in den letzten Jahren führte dazu, dass die Zahl der rauchenden Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren zwischen 2001 und 2012 von 27 auf 13 % sank und einen Tiefstand erreichte.
Diesen erfreulichen Trend zum Nichtrauchen gilt es zu stärken und weiter auszubauen.

In Nordrhein-Westfalen rauchen rund 3,4 Millionen Menschen täglich. Besorgniserregend ist der hohe Anteil junger rauchender Frauen. Marketingstrategien suggerieren, Rauchen sei ein Weg zu Freiheit und Emanzipation. Das Gegenteil stimmt: Neben den bekannten gesundheitlichen Gefahren birgt das Rauchen ein Abhängigkeitspotential, das lange unterschätzt wurde. Insbesondere diejenigen, die früh mit dem Rauchen anfangen, entwickeln schneller eine oft lebenslange Abhängigkeit. Rauchen gilt zudem als „Einstiegsdroge": wer raucht ist gefährdeter, auch andere Suchtstoffe wie Alkohol und Cannabis zu konsumieren.
Für Rauchende ist der Weg aus der Sucht in der Regel langwierig und steinig. Das Ziel von Präventionsmaßnahmen ist es deshalb, den Einstieg in das Rauchen zu verhindern oder so weit wie möglich zu verzögern. Bei denjenigen, die bereits rauchen, sollte der gesundheitliche Schaden begrenzt werden.

Als Jugendeinrichtung Zeichen setzen

Das Rauchen wird Kindern und Jugendlichen in ihrem Umfeld vorgelebt. „Gruppendruck" und das Verhalten von Vorbildern und Bezugspersonen üben Einfluss aus. Damit Kinder und Jugendliche eine positive Haltung zum Nichtrauchen entwickeln, sind Eltern und Erziehungshilfe-Einrichtungen aufgefordert, unterstützend mitzuwirken. Das Ziel soll sein, dass es selbstverständlich ist, dass in Ihrer Einrichtung nicht geraucht wird und dass die Regeln - auch von Erwachsenen - eingehalten werden.

Die Prävention des Tabakrauchens ist als Teil der Gesundheitsförderung im Erziehungsauftrag der stationären und teilstationären Jugendhilfe festgeschrieben. Die Umsetzung von Maßnahmen gelingt jedoch nicht immer problemlos. Mitarbeitende in den Einrichtungen stehen vor der Herausforderung, vielen Aufgaben gleichermaßen gerecht werden zu müssen. Das Engagement für die Tabakprävention erfordert Entschlossenheit, Geduld und echten Teamgeist.


Der Weg zur rauchfreien Einrichtung ist ein Prozess! nach oben

Die Landesinitiative „Leben ohne Qualm“ in NRW wünscht Ihnen auf Ihrem Weg Zuversicht, Kraft, die nötige Ausdauer und Erfolg.

Und rauchende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?

Um als Einrichtung mit der Umsetzung von Maßnahmen einen Schritt weiter zu kommen, ist es wichtig, dass auch rauchende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihren Teil zur Tabakprävention beitragen. Eine konsequente Haltung des gesamten Teams zur Rauchfreiheit in der Einrichtung ist das Ziel der Bemühungen. Auf dem Weg dahin sind insbesondere auch die Ideen und das Engagement der rauchenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gefragt.

 

Ein Schritt weiter ist auch ein Erfolg

Die Landesinitiative „Leben ohne Qualm“ möchte mit „Rauchfreie Jugendhilfe – Tabakprävention in Schritten“ Einrichtungen ermutigen und unterstützen, eigene Strategien für die Förderung des Nichtrauchens zu entwickeln.

 

Einige Einrichtungen haben positive Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Maßnahmen gemacht. Hierzu gehören z. B. klare Hausregeln, alternative Tagesstrukturen oder Motivations- und Belohnungssysteme für noch rauchende Jugendliche.

Wichtig ist, dass die Bemühungen „einen Schritt weiter“ auf dem Weg zur rauchfreien Einrichtung geführt haben. Denn: Kaum eine Einrichtung ist „von heute auf morgen“ rauchfrei geworden. Vielmehr ist der Weg zur rauchfreien Einrichtung ein Prozess. Ein Prozess, der sich bei Bedarf überprüfen und belegen lässt.


Tabakprävention: Ein Weg in Schritten nach oben

Die Landesinitiative unterscheidet Schritte oder Phasen, die für die Umsetzung von wirksamen Maßnahmen zur Tabakprävention notwendig sind. Um das Rauchverhalten von Jugendlichen nachhaltig zu beeinflussen, empfiehlt sich, die einzelnen Projekte und Maßnahmen so aufeinander abzustimmen, dass ein ausgewogenes „Gesamtkonzept“ entsteht.

Ein ausgewogenes Konzept enthält verhältnisbezogene und verhaltensbezogene Maßnahmen.

Verhältnisbezogen sind z. B. Maßnahmen auf Einrichtungs- und Gruppenebene wie klare Rauchverbotsregeln und Belohnungssysteme aber auch z. B. der Einsatz für die Abschaffung von Zigarettenautomaten und Tabakwerbung im Einrichtungsumfeld.

Verhaltensbezogene Maßnahmen haben das Ziel, eine rauchfreie Lebensweise der einzelnen Person zu unterstützen. Hierzu gehören z. B. (Sozial-)Kompetenz-Trainings („Nein-Sagen-Können“), Projekte, Entwöhnungsangebote und Gespräche.

Die Erarbeitung und Umsetzung der enthaltenen Maßnahmen erfordern Engagement, Überzeugungsarbeit und Zeit. Lassen Sie sich nicht entmutigen, wenn nicht alles sofort „nach Plan läuft“. Es gilt der für die jeweilige Einrichtung sinnvolle und erforderliche Weg.

Stadien der Veränderung

Grundlage für das Phasenmodell bildet das „Transtheoretische Modell der Veränderung“ (TTM-Modell), dass in sozialen Beratungszusammenhängen Anwendung findet. Es erklärt die Veränderungsbereitschaft von Personen und wurde auf Institutionen übertragen.


Gesetzlicher Rahmen nach oben

Auszug aus dem Nichtraucherschutzgesetz (NiSchG NRW):

§3 Rauchverbot

(1) Das Rauchen ist nach Maßgabe dieses Gesetzes in den Einrichtungen nach §2 Nrn. 1-6 verboten. Für Erziehungsund Bildungseinrichtungen (…) gilt das Rauchverbot (…) auf dem gesamten Grundstück (…)

§5 Hinweispflichten, Verantwortlichkeit für die Umsetzung des Rauchverbotes

(1) Orte, für die nach diesem Gesetz ein Rauchverbot besteht, sind deutlich sichtbar im Eingangsbereich kenntlich zu machen (…)
(2) Verantwortlich für die Einhaltung der Rauchverbote nach den §§3 und 4 sowie für die Erfüllung der Hinweispflichten nach Absatz 1 sind im Rahmen ihrer Befugnisse a) die Leitung der Einrichtung im Sinne von §2 Nrn. 1-6 (…)
Soweit den Verantwortlichen nach Satz 1 ein Verstoß gegen das Rauchverbot bekannt wird, haben sie die erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um eine Fortsetzung des Verstoßes oder einen neuen Verstoß gegen das Rauchverbot zu verhindern.

§6 Ordnungswidrigkeiten

(1) Mit Geldbuße kann belegt werden, wer entgegen einem Rauchverbot nach §3 oder §4 raucht.
(2) Mit Geldbuße kann belegt werden, wer entgegen der Verpflichtung nach §5 Absatz 2 Satz 2 nicht die erforderlichen Maßnahmen ergreift, um eine Fortsetzung des Verstoßes oder einen neuen Verstoß gegen das Rauchverbot zu verhindern (…).

Gesetzliche Bestimmungen bilden eine wichtige Grundlage, um Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene im institutionellen Bereich vor gesundheitsschädigenden Einflüssen zu schützen. Gesetzliche Grundlagen, die insbesondere vor den Gefahren des Tabakrauchens schützen wollen sind: das Jugendschutzgesetz (JuschG), die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und das Nichtraucherschutzgesetz (NiSchG NRW).

Das Jugendschutzgesetz [JuSchG §10 Absatz (1)]

schützt Kinder und Jugendliche vor den Gefahren des Tabakrauchens. JuSchG §10 Absatz (1) besagt, dass weder Tabakwaren an Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren in Gaststätten, Verkaufsstellen oder in der Öffentlichkeit abgegeben werden dürfen noch ihnen das Rauchen gestattet werden darf.

Das Nichtraucherschutzgesetz NRW (NiSchG)

ist am 1. Januar 2008 in Nordrhein-Westfalen in Kraft getreten. Damit gilt in vielen Bereichen des öffentlichen Lebens ein konsequentes Rauchverbot. Besonderes Anliegen des Gesetzgebers ist es, den Schutz von Kindern und Jugendlichen vor den Gefahren des Passivrauchens zu verbessern.
In öffentlichen Einrichtungen gilt demnach ein generelles Rauchverbot. Von den Regelungen sind öffentliche Gebäude, Gesundheits- und Sozialeinrichtungen, alle Erziehungs-, Bildungs- und Sporteinrichtungen, alle Kultur- und Freizeiteinrichtungen sowie sämtliche Flughäfen und Gaststätten im Land erfasst. Geraucht werden darf grundsätzlich nur noch in abgetrennten Raucherräumen. In den stationären Gesundheitseinrichtungen wie Krankenhäusern und in Bildungs- und Erziehungseinrichtungen werden keine Raucherräume zugelassen.
In Einrichtungen der Erziehungshilfe gilt das Rauchverbot ferner auf dem gesamten Gelände der Einrichtung.



Unterstützung finden bei kompetenten Partnern nach oben

Konkret:

Bei Prophylaxefachkräften und Krankenkassen anfragen:

  • Zusammenarbeit / Unterstützung
  • Informationsmaterial
  • Arbeitsmaterial
  • Logo, Plakate, give-aways, Dokumentation etc. für interne und externe Öffentlichkeitsarbeit.

Ihre Ansprechperson vor Ort finden Sie unter www.ginko-stiftung.de/fachstellen.aspx und bei den ortsansässigen Krankenkassen.

Materialien

(Info- und Arbeitsmaterial, Plakate etc.) anfordern:
www.loq.de/multiplikatoren/ loqmittel.html
www.ginko-stiftung.de/ material.aspx
www.bzga.de/infomaterialien  und 
www.rauchfrei-info.de

Datenbank

Raucher/innen-Beratung und -Entwöhnung:
www.anbieter-raucherberatung.de

In Nordrhein-Westfalen stehen im kommunalen Bereich rund 100 Prophylaxefachkräfte für die Entwicklung und Durchführung suchtvorbeugender Maßnahmen zur Verfügung. Die Fachkräfte unterstützen Projekte, bieten Schulungen an, z. B. zu Gesprächsführung und Entwöhnung, und fördern die Vernetzung mit örtlichen Partnern wie der Suchthilfe oder den Krankenkassen.
Auch viele Krankenkassen sind Partner der Landesinitiative. Sie stellen Informationsmaterial bereit und unterstützen – ggf. durch regionale Fachkräfte – die Tabak-Prävention sowie Projekte zur Förderung der Gesundheit von Kindern und Jugendlichen.

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet kostenlose Informations-, Lehr- und Arbeitsmaterialien zum Thema „rauchfrei“ an.
Einen umfassenden Überblick über Angebote im Bereich der Raucher/innen-Beratung und -Entwöhnung gibt eine bundesweite Datenbank der BZgA und des Deutschen Krebsforschungszentrums (dkfz.)

 


Partner/Impressum nach oben

der Landesinitiative „Leben ohne Qualm“ in Nordrhein-Westfalen:

AOK Rheinland/Hamburg, AOK NordWest, Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe, BKK-Landesverband NORDWEST, IKK classic, Kassenärztliche Vereinigungen Nordrhein und Westfalen-Lippe, Knappschaft, Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter Nordrhein-Westfalen, Ministerium für Schule und Weiterbildung Nordrhein-Westfalen, Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau als Landwirtschafliche Krankenkasse, Unfallkasse Nordrhein-Westfalen, Verband der Ersatzkassen e.V. Nordrhein-Westfalen.

Weitere Partner: Deutsche Krebshilfe, Deutscher Städtetag Nordrhein-Westfalen, Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen, Landkreistag Nordrhein-Westfalen.

 


Das Konzept entstand mit Unterstützung des LVR-Landesjugendamtes, der Evangelischen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe Wuppertal gGmbH, der Hephata Jugendhilfe Mönchengladbach sowie weiterer Einrichtungen.

 

Kontakt:
ginko Stiftung für Prävention

Landeskoordinierungsstelle Suchtvorbeugung NRW

Kaiserstraße 90
45468 Mülheim an der Ruhr
Tel.: 0208 30069-31
E-Mail: 696E666F4067696E6B6F2D7374696674756E672E6465

Weitere Infos
im Internet
unter:

www.loq.de

 

Gestaltung:
www.bild-werk.de
Agentur für Kommunikation GmbH, Dortmund

 

Fotos: Karin Franke
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Internetprogrammierung:
www.deepweb.nl
DeepWeb Internetsolutions V.O.F.