Sekundärprävention des Alkohol- und Tabakmissbrauchs in der Hausarztpraxis

von Ralf Demmel et al.

Der Autor schildert in seinem Beitrag die Ergebnisse einer Zusammenarbeit mit 23 Hausärzten aus Nordrhein-Westfalen, die zur Durchführung sekundärpräventiver Maßnahmen vorbereitet wurden. Es handelt sich bei diesem Vorhaben um eine randomisierte kontrollierte Studie, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung vom 2002-2004 gefördert wird. Ziel der laufenden Studie ist es, Schlussfolgerungen über die Effektivität und Effizienz motivationaler Kurzintervention in der Hausarztpraxis zu erlauben. Bisherige Studien weisen nach Ansicht der Autoren darauf hin, dass die dauerhafte Etablierung sekundärpräventiver Programme durch Arbeitsüberlastung, strukturelle Merkmale des Gesundheitssystems, mangelnde Vorbereitung und Ausbildung sowie geringes Vertrauen in den Erfolg einer Intervention aus ärztlicher Sicht erschwert ist. Da eine weitere Zahl von Studien zeigt, dass Kurzinterventionen Patienten veranlassen, ihren Alkohol- bzw. Tabakkonsum zu reduzieren, halten die Autoren eine praxisnahe Entwicklung eines Verfahrens für erforderlich, dessen Durchführung trotz knapper Ressourcen möglich sein sollte.

Im Jahr 2002 nahmen insgesamt 23 Hausärzte, meist Fachärzte für Allgemeinmedizin, an einer sechsstündigen Fortbildung teil, die sie mit der Anwendung eines Screening-Fragebogens zum Alkoholkonsum (Alcohol Use Disorders Identification Test, AUDIT) und der Durchführung einer Kurzintervention vertraut machte. Hierzu wurden Rollenspiele eingesetzt und Audioaufzeichnungen zur späteren Analyse angefertigt.

In der Praxis fanden täglich maximal acht Screenings, sowie ein bis zwei Interventionen statt. Die Beantwortung des Fragebogens, der z.B. Items zur Veränderungsbereitschaft und zur Erfolgszuversicht beinhaltet, nahm 5-10 Minuten in Anspruch und wurde von 4358 Patienten ausgefüllt. Die standardisierte Kurzintervention fand bei 194 Patienten statt und besteht aus einer vereinfachten Version des von Miller und Rollnick entwickelten Motivational Interviewing. Zunächst wird dem Patienten angeboten, ihn über die Ergebnisse eines Screenings zu informieren. Darauf folgt eine sachliche und wertungsfreie Rückmeldung zum aktuellen Konsum (im Vergleich zur Referenzgruppe), offene Fragen zur Veränderungsbereitschaft des Patienten und die gemeinsame Erarbeitung von Behandlungszielen. Verlauf und Ergebnis der Intervention wurde von den Hausärzten zum größten Teil vollständig dokumentiert.

Als Ergebnis lässt sich festhalten, dass trotz positiven Screening-Befunds (problematischer Alkoholkonsum) häufig keine Intervention stattfand. Gründe werden im Beitrag nicht genannt. Mit der Anwendung des AUDITS zur Einschätzung des Alkoholkonsums waren ebenfalls Probleme verbunden. Die Autoren bezweifeln, ob über diesen Fragebogen treffsicher ein riskanter Konsum erkannt werden kann.

Autorin: Anja Meurer

Quellen: Demmel, R., Rist, F., Hagen, J., Aulhorn, I., Scheuren, B., Scherbaum, N., Gesenhues, S. Rollnick, S. (2003) Sekundärprävention - mehr als Screening und gute Ratschläge. In: Suchtmed 5 (1), 33-36.