Diäten und Rauchen

In der vorliegenden Studie wurde untersucht, welchen Zusammenhang es bei Jugendlichen zwischen der Häufigkeit von Diäten und dem Einstieg ins Rauchen gibt. Die Autoren verstehen dies als eine Pionierarbeit, weil es offensichtlich bislang erst eine Untersuchung gibt, die sich diesem Thema annahm, dabei jedoch nicht zwischen verschiedenen Arten von Diäten unterschied (S. 446).

Insgesamt wurden in zwei Erhebungen (1995 und 1997) Daten von 1.560 Bostoner Sechst- und Siebtklässlern gewonnen. Ausgewertet werden konnten letztlich jedoch nur die von 932 Schülern und Schülerinnen, da bestimmte Auswahlkriterien zu erfüllen waren. So war es erforderlich, dass die relevanten Angaben komplett waren und die Probanden an beiden Erhebungen teilnahmen. Des Weiteren sollte es in dieser Untersuchung weniger um pathologische Diätformen (1) gehen und vielmehr um "normale", woraus sich weitere Ausschlüsse ergaben. Und letztlich war es für den Zeitvergleich noch von Bedeutung, dass die Befragten nicht schon vor der ersten Welle mit dem Rauchen begonnen hatten (446f.).

Zur Häufigkeit von Diäten stellte sich zunächst einmal heraus, dass zum Zeitpunkt der ersten Befragung keine wesentlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern feststellbar waren. Es war jedoch jeweils zu erkennen, dass Übergewichtige eher zu einer Diät neigten als nicht Übergewichtige. Hinsichtlich des Rauchverhaltens bei der zweiten Erhebung zeigte sich demgegenüber eine größere Häufigkeit bei den nicht Übergewichtigen (18% anstatt 9,6% bei den Übergewichtigen) (447).

Zum Zusammenhang zwischen Diäten und Rauchen war zu erkennen, dass Mädchen, die zum Zeitpunkt der ersten Welle keine Diät machten, bei der zweiten seltener Raucherinnen waren als diejenigen, die dies taten. Genauer gesagt ergab sich, dass Mädchen, die einmal pro Woche oder seltener eine Diät machten, doppelt so oft rauchten, während die, die mehr als einmal pro Woche nach einer Diät lebten, viermal so häufig rauchten. Schließlich wurde für die jungen Mädchen eine Wahrscheinlichkeit von 36% berechnet, mit der Diäten in der befragten Gruppe das Risiko bergen, mit dem Rauchen anzufangen. Bei den männlichen Probanden wurde hingegen deutlich, dass kein Zusammenhang zwischen Diäten und dem Einstieg ins Rauchen besteht. Bedingt wurde dieser eher über das Alter der Befragten. Letzten Endes wiesen die Daten zudem darauf hin, dass Jugendliche, die pathologische Diätformen pflegten, häufiger rauchten als solche, die "normale" Diäten durchführten (448f.).

Zur Erklärung des Verhaltens junger Mädchen wird u.a. darauf verwiesen, dass diese, wie andere Studien zeigten, sowohl das "Halten" einer Diät als auch das Rauchen als Strategien verstehen, ihre "Gewichtsprobleme" zu bewältigen. So herrscht nicht selten die Auffassung, dass Rauchen zur "Gewichtskontrolle" einsetzbar ist. Da sich entgegen anderer Studien des Weiteren zeigte, dass Übergewichtige seltener anfangen zu rauchen als nicht Übergewichtige, bedarf es hierzu weiterer Forschung, um zu klären, ob dieses Ergebnis stichprobenbedingt ist oder sich bestätigen lässt. Gleiches gilt dafür, dass sich zunächst keine Unterschiede hinsichtlich der Häufigkeit von Diäten zwischen den Geschlechtern erkennen ließen. Dies deutet ansonsten auf den Trend hin, dass Diäten unter Jungen üblicher werden (449).

Schließlich wird noch auf mögliche Beschränkungen hingewiesen, die Einfluss auf die gewonnenen Daten genommen haben können. So kann es sein, dass manche Angaben durch den Wunsch nach sozialer Akzeptanz verfälscht wurden. Ferner war nicht festzustellen, ob einzelne unter Depressionen litten und wie sich die pubertäre Entwicklung auswirkte. Festzuhalten bleibt dennoch, dass die Ergebnisse bei der Entwicklung künftiger Präventionsprogramme sowohl im Bereich ungesunder Diäten als auch beim Tabakkonsum Beachtung finden sollten. Denn wollen diese jeweils ihr Ziel erreichen, gilt zu bedenken, dass gerade für junge Mädchen beides in Zusammenhang steht (449).

Autor: Steffen Zdun

Quelle: Bryn Austin, S. & S. L. Gortmaker (2001): Dieting and Smoking Initiation in Early Adolescent Girls and Boys: A Prospective Study. In: American Journal of Public Health, 91,3, 446-450.

(1) Beispielsweise selbst hervorgerufenes Erbrechen oder der Einsatz von "Diätpillen" sowie Abführmitteln.