Der Einstieg in den Konsum psychotroper Substanzen am Beispiel von Tabak und Alkohol

Ergebnisse einer epidemiologischen kinder- und jugendpsychologischen Studie

Professor Michael Klein beschäftigt sich in dieser Untersuchung mit dem Einstieg in den Gebrauch psychotroper Substanzen bei Kindern und Jugendlichen. Nach seiner Auffassung stellt dieser eine entscheidende, sensible Phase im Erwerb sowohl kontrollierter Konsumgewohnheiten als auch missbräuchlicher Verhaltensweisen dar. Ein früher Einstieg in ein Probierverhalten bezüglich Alkohol, gefolgt vom regelmäßigen Tabakkonsum deutet auf die Weiterentwicklung problematischer Konsummuster auch bezüglich anderer Suchtmittel hin (Gateway-Muster).

Klein befragte repräsentativ nach Alter, Geschlecht und Schulform insgesamt 4.431 Schülerinnen und Schüler im Alter zwischen 11 und 16 Jahren. Die Befragungen fanden in den Jahrgangsstufen 5 bis 10 der weiterführenden Schulen in Nordrhein-Westfalen statt.

Am häufigsten sind nach dieser Studie Erstkonsumerfahrungen mit Alkohol. So waren von den Sechstklässlern lediglich 31,7% ohne Konsumerfahrung, bei den Neuntklässlern sank dieser Wert auf sieben Prozent ab. Dem Alkohol folgt der Tabak. 55,3% der Probanden aus der Jahrgangsstufe 6 hatten zum Zeitpunkt der Befragung noch nie geraucht. In der Jahrgangsstufe 9 betrug die Life-Time-Prävalenz dagegen schon 78,1%. Hinsichtlich der Intensität des Konsums konstatiert Klein, dass die Kinder in der Mehrzahl zwar mit Alkohol die früheren Erfahrungen machen, jedoch in Bezug auf Tabak früher der regelhafte Konsum eintritt.

Was den Gebrauch illegaler Drogen anbelangt, zeichnen die Daten von Klein folgendes Bild: Von den SchülerInnen der 6. Klasse hatten 20,6% Erfahrung mit Cannabis, in der 7. Klasse betrug der entsprechende Anteil 14,9% und in der 8. Klasse 23,5%. Die SchülerInnen der Jahrgangsstufe 9 wiesen mit 30,8% erwartungsgemäß den höchsten Wert an Jugendlichen mit Konsumerfahrung in Bezug auf Cannabis auf, wobei sich 2,2% der Neuntklässler als häufige bzw. 1,5% als regelmäßige Cannabiskonsumenten bezeichneten.

Neben dem Konsumverhalten der Kinder thematisierte Klein auch den Gebrauch von Alkohol und Tabak in der Familie. Nicht wenige SchülerInnen übten in diesem Zusammenhang Kritik am Umgang ihrer Eltern mit legalen Drogen. So hatten sich 15,6% der jungen Menschen schon einmal gewünscht, dass ein Elternteil seinen Alkoholkonsum reduziere. In Bezug auf Tabakkonsum betrug der entsprechende Anteil gar 45,1%. Acht Prozent der SchülerInnen sahen im Alkoholkonsum ihrer Eltern gar ein Problem, wobei in erster Linie das Trinkverhalten des Vaters problematisiert wurde.

Resümierend kommt Klein zu dem Schluss, dass ein Zusammenhang zwischen Alkoholmissbrauch im Elternhaus und regelhaftem Substanzkonsum der Kinder und Jugendlichen besteht. Zwar zeigten auf der einen Seite Kinder von Eltern mit einem problematischen Alkoholkonsum im Vergleich zu denen von Eltern mit unproblematischem Alkoholkonsum nur einen leicht erhöhten Alkoholkonsum auf, auf der anderen Seite jedoch einen deutlich erhöhten Tabakkonsum. Nach Klein wäre somit für eine vulnerable Subgruppe der Tabak als frühe Einstiegssubstanz in den problematischen Konsum weiterer Substanzen anzusehen.

Autor: Thomas Schweer

Quelle: Aus: Klein, M. (2002). Der Einstieg in den Konsum psychotroper Substanzen am Beispiel von Tabak und Alkohol: Ergebnisse einer epidemiologischen kinder- und jugendpsychologischen Studie [The onset of substance use: Results of an epidemiological study with children and adolescents]. In: Richter, G., Rommelspacher, H. & Spies, C. (Hrsg.). "Alkohol, Nikotin, Kokain... und kein Ende?" Suchtforschung, Suchtmedizin und Suchttherapie am Beginn des neuen Jahrzehnts. Lengerich: Pabst. S. 283 - 289.