Tabakentwöhnung in Hausarztpraxen

Neue Studienergebnisse vorgelegt

In der vorliegenden Interventionsstudie zur Raucherentwöhnung in der hausärztlichen Praxis (IRIS) wurde untersucht, wie sich verbesserte Rahmenbedingungen (Fortbildungen, Honorierungen) auf die Stärkung der Raucherentwöhnung in der Hausarztpraxis auswirkt. Erste Ergebnisse der Studie, die von Hermann Brenner vom Deutschen Zentrum für Alternsforschung geleitet wird, wurden auf dem Weltkongress für Biomedizinische Alkoholismusforschung in Mannheim vorgestellt.

Danach konnten Ärzte, die eine zweistündige Schulung zur Tabakprävention, eine Kostenerstattung für wirksame Medikation und eine erfolgsabhängige finanzielle Honorierung erhielten, 223 RaucherInnen rekrutieren. 145 TeilnehmerInnen konnten jene Ärzte gewinnen, die ausschließlich die Schulung genossen hatten. Lediglich 75 RaucherInnen konnten von den Ärzten aus den 21 Praxen der Kontrollgruppe rekrutiert werden.

Die Maßnahmen wirkten sich auch auf den Behandlungserfolg aus. Sechs Monate nach der Behandlung waren dreimal mehr rauchende PatientInnen abstinent, die von Ärzten behandelt worden waren, welche eine Schulung besucht hatten und über die Möglichkeit verfügten, kostenfreie Medikamente zu verschreiben.

Die SNICAS-Studie (Smoking and Nicotine Dependent Awareness and Screening) wird vom Max-Planck-Institut für Psychiatrie in München und dem Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden durchgeführt und stellt eine Kombination aus einer epidemiologischen Punktprävalenzerhebung und einer vergleichenden Bewertung von Raucherentwöhnungsinterventionen dar. Mehr als 28.000 unselektierte PatientInnen wurden in einer bundesweiten Stichprobe an einem bestimmten Stichtag in 889 Hausarztpraxen erfasst. Die wichtigsten Ergebnisse: Ein Viertel aller rauchenden PatientInnen werden nicht als solche erkannt. Wurden Entwöhnungsmaßnahmen durchgeführt, bevorzugten die Ärzte Beratung/Motivierung (51,7%) und Bupropion (24,1%). Insgesamt wurden die Interventionsmöglichkeiten in der hausärztlichen Praxis von über 60% der Ärzte als schlecht eingeschätzt. Fand bei einer/m RaucherIn keine Tabakentwöhnung statt, wurde dies von den Ärzten mit mangelndem Interesse der PatientInnen (55,4%), einem zu großen Zeitaufwand (47,4%) oder der mangelnden finanziellen Vergütung (32,5%) begründet.

Die Autoren ziehen das Fazit, dass derzeit kein flächendeckendes Angebot zur Tabakentwöhnung im hausärztlichen Setting besteht.

Autorin: Anja Meurer