Tabakentwöhnung und Selbsthilfe - Ergebnisse einer Bedarfsanalyse

von Walter Farke

Bislang gibt es in Deutschland nur vereinzelt Selbsthilfegruppen für abstinenzmotivierte Raucher. Dabei besteht im Rahmen der Selbsthilfe ein deutlicher Bedarf nach Angeboten zur Tabakentwöhnung. Dies konnte der Autor, Mitarbeiter der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen, in einer umfangreichen Studie nachweisen. Farke verschickte 3300 Fragebögen an Selbsthilfegruppen in 17 Verbänden, von denen letztendlich gut 500 ausgewertet werden konnten. Zwei Drittel der befragten RaucherInnen aus Selbsthilfegruppen zu Sucht-, Krebs-, Herz-Kreislauf- und anderen Erkrankungen gaben an, dass sie an einem Angebot zur Tabakentwöhnung im Rahmen der Selbsthilfe teilnehmen würden. Auch in Suchtselbsthilfegruppen, in denen bis vor einigen Jahren Diskussionen über Tabakkonsum mit der Begründung abgelehnt wurden, dass die Alkohol- bzw. Drogenproblematik im Vordergrund des Interesses des Süchtigen stehen muss, thematisieren das Rauchen zunehmend.

Insgesamt konsumiert fast jeder zweite Befragte mehr als 20 Zigaretten am Tag, 28% sind stark, 14% sehr stark abhängig (ermittelt mit dem Fagerström-Test). Fast zwei Drittel blicken auf erfolglose Versuche zurück, mit dem Rauchen aufzuhören. Bei einem weiteren Versuch würden 91% eine angeleitete Gruppe zur Tabakentwöhnung favorisieren, wobei sich jeder zweite für einen qualifizierten Betroffenen als Leitung ausspricht. 80% wünschen sich ein dauerhaftes Angebot, das die Raucher vor allem in der Bewältigung kritischer Situationen und im Umgang mit Rückfällen unterstützen soll. Studien zeigen allerdings, dass zu lang andauernde Programme die Motivation der Teilnehmer schwächen.

Dass die Versorgungssituation tabakabhängiger Menschen in Deutschland defizitär ist, ist ein Ergebnis der neun Leitfadeninterviews, die Farke u.a. mit Experten zur Tabakentwöhnung und Vertretern der Selbsthilfeverbände führte. Vor allem wird der Mangel an kompetenten Fachkräften und der fehlende Wirksamkeitsnachweis vieler Angebote kritisiert. Die Relevanz des Themas wird vom Großteil der Experten als hoch eingeschätzt, da ein nicht unerheblicher Teil der Mitglieder in Selbsthilfegruppen raucht und das Rauchen den Krankheitsverlauf negativ beeinflusst. Bezüglich der Implementierung von Maßnahmen zur Entwöhnung reicht das vorgeschlagene Spektrum von speziellen Selbsthilfegruppen für Tabakabhängige bis zu zeitlich begrenzten Kursen für Interessierte.

Basierend auf den Ergebnissen dieser Analyse soll ein Konzept zur Raucherentwöhnung in einem geplanten Nachfolgeprojekt in der Selbsthilfe entwickelt und evaluiert werden. Der ausführliche Abschlussbericht liegt als PDFDatei unter http://www.dhs-intern.de/pdf/tabakentwoehnung2.pdf vor.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: Farke, W. (2004) Tabakentwöhnung und Selbsthilfe. Eine Bedarfsanalyse.