Tabakprävention wirkt - Evaluation des Programms "Fit und stark fürs Leben"

von Reiner Hanewinkel und Martin Aßhauer

Die Autoren stellen drei kontrollierte prospektive Interventionsstudien vor, die Aussagen über die Wirksamkeit des Programms zulassen. Insgesamt sechs Lebenskompetenzbereiche sollen durch das Programm, das aus drei Unterrichtsmanualen für die Klassenstufen 1-2, 3-4 und 5-6 besteht, gefördert werden. Dazu gehören Selbstwahrnehmung und Einfühlungsvermögen, Umgang mit Stress und negativen Emotionen, Kommunikation, kritisches Denken, Problemlösen und gesundheitsrelevantes Wissen. Die vorgeschlagenen Unterrichtseinheiten weisen einen einheitlichen Ablauf auf, der aus Eröffnung (Lieder, Spiele, Gesprächskreis), Besprechung der Detektivaufträge (Selbstbeobachtungsaufgaben), Entspannungsteil, handlungsorientierter Einübung der Kompetenzen und einem gemeinsamen Abschluss zur Konsolidierung der Lerninhalte besteht.

Daten von 3469 Schülern flossen in die Untersuchungen ein. In den beiden ersten Untersuchungen (Klassenstufen 1-2 und 3-4) wurde das Programm innerhalb eines Schulhalbjahres eingeführt. Datenerhebungen fanden unmittelbar davor und danach statt. In einer dritten Untersuchung (Klassenstufen 5-6) fand eine Nachuntersuchung 12 Monate nach der Intervention statt.

Für am Programm teilnehmende Schüler der ersten Klassenstufen ließen sich im Vergleich zur Kontrollgruppe weniger aggressive Verhaltensweisen beobachten. Gleiches gilt für die Schülerinnen und Schüler der dritten und vierten Klassen, denen die Lehrer nach Teilnahme am Programm zudem weniger soziale Probleme und ein verringertes delinquentes Verhalten bescheinigten. Im Vergleich zur Kontrollgruppe wiesen sie zudem a) eine geringere Erwartung in Zukunft zu rauchen b) eine negative Einstellung zum Rauchen, c) eine stärkere Erwartung subjektiver und genereller Konsequenzen durch das Rauchen und d) ein verbessertes Körperbewusstsein auf. Und während der Anteil der Schüler, die bereits geraucht haben im Untersuchungszeitraum in der Kontrollgruppe von 5,6% auf 9,2% anstieg, blieb er in der Interventionsgruppe nahezu konstant (prä: 5,8%, post: 5,4%). Dieser Trend zeigte sich auch bei den Schülern in weiterführenden Schulen. 40% der Interventionsgruppe gaben hier 12 Monate nach dem Programm an, noch nie geraucht zu haben, während der Anteil in der Kontrollgruppe nur bei 35% lag. Zu den Auswirkungen des Programms in den Stufen 5 und 6 zählen weiterhin ein deutlicher Wissensanstieg bezüglich der Gefahren des Rauchens und eine positive Beeinflussung des Klassenklimas.

Die Autoren schildern es als Stärke der Untersuchungen, das es sich um kontrollierte prospektive Studien bei einer großen Anzahl von Kindern handelt, räumen aber ein, dass die Ergebnisse nur Aussagen über kurzfristige Auswirkungen des Programms zulassen. Angesichts der niedrigen Basisrate des Rauchens in dieser Altersgruppe halten sie die verringerten Prävalenzzahlen in den Interventionsgruppen für beachtlich. Weitere Längsschnittstudien werden empfohlen.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: Hanewinkel, R. und Aßhauer, M. (2003) "Fit und stark fürs Leben" - Universelle Prävention des Rauchens durch Vermittlung psychosozialer Kompetenzen. In: Suchttherapie 4, 197-199.