Nikotin-Stoffwechsel bedingt das Rauchverhalten

von Rachel F. Tyndale und Edward M. Sellers

Das körpereigene Enzym CYP2A6 bestimmt den Tabakkonsum von Rauchern nachhaltig. Zu diesem Ergebnis kommen die Autoren des vorliegenden Beitrags. Demnach nimmt das Enzym Einfluss darauf, ob Menschen abhängig von Tabak werden, wie viel Tabak sie konsumieren und in welchem Maße die krebserregenden Substanzen im Tabak die Gesundheit der Konsumenten gefährden.

Bei CYP2A6 handelt es sich um ein Enzym der Leber, dass zum Abbau von Nikotin im Körper (bis zu 80%) beiträgt. Der Erklärungsansatz beinhaltet die These, dass RaucherInnen versuchen diesem Abbauprozess durch regelmäßigen Tabakkonsum entgegen zu wirken, um den Nikotinanteil im Blut auf gleich bleibendem Level zu halten. Diese Prozesse sind unterschiedlich stark ausgeprägt. So unterscheiden sich Menschen dahingehend, welche der 14 bislang bekannten CYP2A6-Typen auf ihren Stoffwechsel einwirken. Diese werden von beiden Elternteile an die Kinder vererbt und können voll funktionsfähig, teils aktiv oder teils defekt sein. Vor diesem Hintergrund liegt die Vermutung nahe, dass die Funktionstüchtigkeit der Enzyme bedeutenden Anteil am Abbau des Nikotins im Körper und somit am Rauchverhalten nehmen kann. Bereits 1998 konnte das kanadische Forscherteam einen Einfluss defekter Enzyme nachweisen. Wenn der Körper Nikotin schlechter abbauen kann, dann neigt der Betroffene auch eher dazu, das Rauchen aufzugeben oder zumindest nur in geringem Maße zu rauchen. Hingegen werden Personen mit aktiven CYP2A6-Enzymen signifikant häufiger süchtig und konsumieren deutlich größere Mengen Tabak.

In einer Nachfolgeuntersuchung mit 400 Rauchern konnten diese Erkenntnisse bestätigt und erweitert werden. Dabei wurden in der zweiten Studie die Angaben zum Tabakkonsum der Probanden über medizinische Tests geprüft. Der bedeutendste Erkenntnisgewinn dieser Studie lag darin, dass defekte Enzyme nicht nur das Konsumverhalten beeinflussen, sondern auch die Aufnahme krebserregender Substanzen im Nikotin verringern, also das Krebsrisiko der Betroffenen senken.

Um dieses Wissen für den Menschen nutzbar zu machen, erforscht das Team seitdem die Umsetzbarkeit der Erkenntnisse zu therapeutischen Zwecken. So wurden zahlreiche Versuchsreihen unter Zuhilfenahme von CYP2A6-Hemmstoffen durchgeführt. Obwohl die Forscher weitere Untersuchungen als nötig erachten, kommen sie bereits heute zu dem Schluss, dass die Verwendung dieser Hemmstoffe künftig einen Beitrag dazu leisten kann, dass RaucherInnen ihren Konsum einschränken bzw. bei dem Versuch, mit dem Rauchen aufzuhören, unterstützt werden können.

Autor: Steffen Zdun

Quelle: Tyndale, R. F. u. E. M. Sellers (2001): Variable DCYP2A6-mediated nicotine metabolism alters smoking behavior and risk, in: Drug Metabolism and Disposition, Nr. 4, S. 548-552.