Passivrauchen vermindert das Lern- und Denkvermögen unter Kindern und Jugendlichen

Wie ein Forscherteam um Kimberly Yolton am Children's Hospital Medical Center in Cincinnati, Ohio unlängst herausfand, besteht ein Zusammenhang zwischen dem Passivrauchen und Lern- und Denkdefiziten von Kindern und Jugendlichen. In einer bislang unveröffentlichten Untersuchung konnten sie diesen Effekt selbst bei geringen Mengen aufgenommenen Tabakrauches nachweisen.(1)

Insgesamt wurden Daten von 4.399 Kindern und Jugendlichen im Alter von sechs bis 16 Jahren ausgewertet, die bereits zwischen 1988 und 1994 erhoben wurden.(2) Neben dem Alter gab es zwei weitere Auswahlkriterien: Zum einen wurde der Cotinin-Wert (3) ermittelt, der zwischen 0,035 und 0,15 ng/ml liegen musste, da diese Werte typisch sind für das Passivrauchen. Zum anderen handelte es sich ausschließlich um Probanden, die mindestens in den letzten fünf Tagen nicht selbst geraucht hatten.(4)

Um die Lern- und Denkfähigkeiten der Probanden zu ermitteln, wurden die Ergebnisse verschiedener "Intelligenztests" genutzt. Dabei stellte sich heraus, dass je höher der Cotinin-Wert im Blut war, desto schlechter fielen die Punktzahlen in Lese-, Rechen- sowie Verständnis-Tests aus. Selbst bei geringen Cotinin-Mengen ließen sich schon Defizite hinsichtlich des Lesens, Rechnens und Verstehens ermitteln. Von Bedeutung war ferner die Entwicklung im Laufe der Zeit. So wirkt sich die Zunahme des Cotinin-Gehaltes - um eine Einheit (ein ng/ml) - nur gering aus, wenn dieser bereits zwischen zwei und 15 ng/ml liegt. Beispielsweise verschlechterte sich das Ergebnis beim Lesetest durchschnittlich um einen von 100 Punkten. Beträgt der "Blutwert" jedoch erst ein ng/ml oder weniger, dann verschlechtern sich die Testresultate in allen drei Bereichen rund fünfmal so stark.(5) Gerade wenn man als Passivraucher also eher wenig mit Tabakrauch in Verbindung kommt, wirkt sich dies u.U. zunächst gravierender auf die eigenen Lern- und Denkleistungen aus, sobald bzw. insofern es zu einer Zunahme des Konsums im Umfeld kommt.

Diese Ergebnisse sind vor dem Hintergrund zu sehen, dass allein in den USA über 13 Millionen Kinder und Jugendliche vom Passivrauchen betroffen sind.(6) Daraus ergibt sich erheblicher Handlungsbedarf. Zum einen sollten Eltern darauf achten, dass ihre Kinder zu Hause keinem Tabakrauch ausgesetzt sind, und zum anderen darauf, dass ihre Kinder Orte meiden, wo dies auch geschehen kann.(7) Darüber hinaus kommt das Team zu dem Schluss, dass die Politik (auch weiterhin) in diesem Bereich Sorge zu tragen und entsprechende Rahmenbedingungen zu schaffen hat.(8)

Autor: Steffen Zdun

(1) Cincinnati Children's Hospital Medical Center (Hrsg.) (2002a): Environmental tobacco smoke linked to reading, math, logic and reasoning declines in children. In: Press Release of the Cincinnati Children's Hospital Medical Center. 06. Mai 2002.
(2) Die Daten entstammen dem National Health and Nutrition Examination Survey - III (NHANES - III).
(3) Hierbei handelt es sich um einen Reststoff des Nikotins, der u.a. wie hier im Blut nachweisbar ist.
(4) Yolton, K. et al. (2002): Exposure to environmental tobacco smoke and cognitive ability among US children. Abstract In: Annual meeting of the Pedriatric Academic Societies in Baltimore 2002.
(5) ebd.
(6) Cincinnati Children's Hospital Medical Center (Hrsg.) (2002b): Childhood environmental hazards. Tobacco smoke. Auf: http://www.cincinnatichildrens.org/enviro_health/hazard-info/tobacco.htm
(7) ebd.
(8) Yolton (2002): a.a.O.