Publikation des Krebsforschungszentrums zu den Gefahren des Passivrauchens für Kinder

von Annette Bornhäuser und Martina Pötschke-Langer

Jedes zweite Kind in Deutschland lebt in einem Haushalt, in dem mindestens ein Elternteil raucht. Jedes fünfte Kind ist bereits vor der Geburt durch das Rauchen der Mutter während der Schwangerschaft dem Passivrauchen ausgesetzt. Dies betrifft jährlich 154.000 Ungeborene.

Dabei zeigt die aktuelle Veröffentlichung, die auf zahlreiche internationale Studien Bezug nimmt, dass gerade der kindliche Organismus empfindlich auf die vielen im Tabakrauch enthaltenen Chemikalien und Giftstoffe reagiert. So erhöht das Rauchen während der Schwangerschaft das Risiko einer Früh- bzw. Fehlgeburt. Fehlbildungen und Wachstumsstörungen finden sich auf Grund einer schlechteren Sauerstoffversorgung bei Neugeborenen von rauchenden Müttern ebenfalls häufiger. Zwar wird rauchenden Müttern empfohlen, ihre Säuglinge zu stillen, doch werden die schützenden Effekte der Muttermilch durch das Rauchen teilweise wieder aufgehoben. Das Risiko des plötzlichen Säuglingstods, den jährlich ca. 500 Kinder in Deutschland erleiden, wird durch Tabakrauchexposition erhöht. Ursache könnten Veränderungen an den Gefäßwänden der Atemwege bei den Ungeborenen sein.

Kinder von rauchenden Eltern erkranken häufiger an Lungenentzündung, Bronchitis, Asthma und Mittelohrentzündung. Sie klagen eher über Beeinträchtigungen des Allgemeinbefindens und haben eine eingeschränkte Funktion des Geruchssinns. Je höher die Anzahl gerauchter Zigaretten in der Gegenwart der Kinder, desto stärker sind diese belastet. Und auch dann, wenn gerade nicht geraucht wird, stellen die sich bereits an Wänden, Teppichen und Polstermöbeln abgelagerten Schadstoffpartikel eine ständige Expositionsquelle dar.

Nur ein Drittel der rauchenden Frauen schafft es, das Rauchen nach Feststellung der Schwangerschaft aufzugeben. Besonders schwer fällt dies jüngeren Müttern, ledigen und geschiedenen Frauen, sowie Frauen aus unteren sozialen Schichten. In verschiedenen Ländern hat man deshalb Konzepte entwickelt, um diese und andere Zielgruppen bei der Tabakentwöhnung zu unterstützen. Die Angebote umfassen Informationen und Beratung und wurden z.B. in Schweden und den USA erfolgreich evaluiert.

Für Deutschland, wo vergleichbare Evaluationsstudien fehlen, empfehlen die Autorinnen das Verfolgen verschiedener Strategien. Dazu gehören die Umsetzung verhältnisorientierter Maßnahmen wie die Einrichtung rauchfreier Gebäude, in denen sich Kinder und Jugendliche häufig aufhalten und Aufklärungskampagnen zu den Folgen des Passivrauchens in den Medien. Auch der ausführlichen Beratung und Unterstützung werdender Eltern, die das Rauchen aufgeben möchten, wird hohes Gewicht beigemessen (verhaltensorientierte Maßnahmen). Mitglieder unterschiedlicher Gesundheitsprofessionen wie Hebammen, Pflegepersonal und Ärzte sollten zu diesem Zweck auch in Methoden der Gesprächsführung ausgebildet sein. Weiterhin fordern die Autorinnen die Eindämmung des Einflusses der Tabakindustrie, damit die Erkenntnisse zu den Gefahren des Passivrauchens nicht länger verharmlost werden.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: Deutsches Krebsforschungszentrum (2003) Passivrauchende Kinder in Deutschland - Frühe Schädigungen ein ganzes Leben. Rote Reihe Tabakprävention und Tabakkontrolle Band 2.