Rauchen und Arbeitslosigkeit

von Wichard Puls, Marie-Luise Inhester und Hanns Wienold

eindeutigen Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und der Prävalenz des Tabakkonsums. Auch die von den Autoren befragten Arbeitslosen, die früher im Bereich der Metallindustrie tätig waren, weisen einen deutlich höheren Konsum von Zigaretten auf als vergleichbare Erwerbstätige in derselben Region. Mehr als jeder zweite der ca. 700 Befragten bezeichnete sich als RaucherIn. Zwei Drittel wurden als starke RaucherInnen mit einem Konsum von über 20 Zigaretten pro Tag eingruppiert.

Um die körperliche Abhängigkeit abschätzen zu können, wurde die Vorgehensweise von Heatherton gewählt und die Zeit bemessen, die zwischen dem Aufwachen und der ersten Zigarette vergeht. Ein Viertel der RaucherInnen steckt sich bereits innerhalb von fünf Minuten nach dem Aufwachen die erste Zigarette an. 36,6% rauchen innerhalb von 6 bis 30 Minuten, 19,9% innerhalb von 31 bis 60 Minuten und 18,3% nach einer Stunde. Dementsprechend wurden 60% als eindeutig abhängige Raucher eingestuft.

Hinsichtlich der Wirkfaktoren deutet die Studie darauf hin, dass der häufigere und intensivere Konsum bei Arbeitslosen nur in geringem Maße Folge der Belastungen durch die Arbeitslosigkeit zu sein scheint. Zu den in der Studie berücksichtigten Belastungen gehören beispielsweise fehlende soziale Unterstützung, soziale Konflikte und finanzielle Belastungen. Die Motivation zu rauchen wird dahingegen stark durch mangelnde persönliche Ressourcen wie z.B. fehlendes Selbstvertrauen beeinflusst. Die fehlenden individuellen Ressourcen der Arbeitslosen führen zu depressiven Verstimmungen,Emotionen, die wiederum mit der Ausprägung einer Nikotinabhängigkeit in Zusammenhang stehen.

Dass im Rahmen der Studie nicht nachgewiesen werden konnte, dass ein erhöhter Nikotinkonsum bei Arbeitslosen durch Stressoren im Zuge der Arbeitslosigkeit wie soziale Konflikte, Geldprobleme etc. ausgelöst wird, stößt bei den Autoren auf Verwunderung. Denn für Alkohol ist dieser Zusammenhang eindeutig belegt. Die hoch selektive Stichprobe, die sich durch ein eher hohes Alter und Bildungsniveau auszeichnet, wird als wichtigster Grund für die gewonnenen Ergebnisse angeführt. Die Wissenschaftler gehen weiterhin davon aus, dass ein Teil der Befragten bereits im Zuge der Entlassung bzw. bei drohendem Arbeitsplatzverlust den Tabakkonsum gesteigert hat.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: Puls, W., Inhester, M.-L., Wienold, H. (2005) Testung eines Erklärungsmodells zur Nikotinabhängigkeit und zum Zigarettenkonsum bei arbeitslosen Metallarbeitern. In: Sucht 51 (1), S. 7-18.