Soziale Unterschiede im Tabakkonsum - Konsequenzen für die Prävention

von Thomas Lampert

Aktuelle Daten des Robert-Koch-Instituts belegen erneut den starken Einfluss der sozialen Schichtzugehörigkeit auf den Tabakkonsum. Der Autor, Mitarbeiter am Institut, fordert daher die Ausrichtung präventiver Maßnahmen auf bestimmte Zielgruppen. Im Bereich der betrieblichen Gesundheitsförderung sollten z.B. verstärkt Interventionen in der Produktion, im Straßenbau oder der Gastronomie angeboten werden. Denn in diesen Bereichen raucht jeder zweite Arbeitnehmer. Bei den erwerbstätigen Frauen sind es neben Mitarbeiterinnen im Hotel- und Gaststättensegment Verkäuferinnen, Warenprüferinnen und technische Zeichnerinnen, die besonders viel rauchen. Es handelt sich hier meist um Berufe, die durch ein eher geringes Qualifikationsniveau und hohe körperliche bzw. psychosoziale Belastungen gekennzeichnet sind.

Die höchsten Anteile finden sich jedoch bei den arbeitslosen Männern und Frauen. Insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit ist mit einem stärkeren Tabakkonsum assoziiert. Eine weitere Gruppe, die sich durch einen hohen Raucheranteil auszeichnet, sind die allein erziehenden Frauen, die sich häufig in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage befinden. Im Vergleich zu Müttern, die mit einem Partner zusammenleben, rauchen sie doppelt so häufig.

Lampert führt aus, dass die Tabaksteuererhöhung zwar zu einer Verringerung der durch das Rauchen hervorgerufenen gesundheitlichen Chancenungleichheit führen könne, gibt aber zu bedenken, dass die KonsumentInnen in der Regel versuchen, ihren Konsum mit billiger Ware fortzusetzen. So hat z.B. der Verbrauch von Feinschnitt zum Selberdrehen wieder zugenommen. Ein Großteil der Raucher raucht weiter und spart Geld bei anderen Dingen des täglichen Lebens wie Nahrung, Hygieneartikel, Kleidung oder Freizeitaktivitäten.

Auch bei den Kindern und Jugendlichen lassen sich die sozialen Unterschiede im Rauchverhalten beobachten. SchülerInnen, die eine Haupt- oder Realschule besuchen, rauchen etwa zwei- bis dreimal so häufig wie GymnasiastInnen. In diesem Zusammenhang weist Lampert darauf hin, dass die Botschaften von Aufklärungskampagnen eindeutig und allgemein verständlich sein müssen, damit sie unabhängig vom Bildungsniveau verstanden werden.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: Lampert, T. (2005) Tabakkonsum und soziale Ungleichheit. Gesundheitspolitische Konsequenzen des stärkeren Tabakkonsums in sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen. In: Konturen 1 (05), S. 15-17.