Der Tabakepidemie Einhalt gebieten - Regierungen und wirtschaftliche Aspekte der Tabakkontrolle

von Jha Prabhat u.a.

Rauchen stellt neben HIV die einzige Todesursache dar, die sowohl global von Bedeutung ist als auch stetig zunimmt. Allein im Jahr 2000 starb weltweit jeder zehnte Erwachsene an den Folgen des Tabakkonsums, bis spätestens 2030 wird es jeder sechste Erwachsene bzw. werden es zehn Millionen Tote pro Jahr sein. Der Bericht wirft die wirtschaftlichen Fragen auf, die im Zusammenhang mit der Tabakkontrolle seitens politischer Entscheidungsträger von Bedeutung sind. Als wirksamste Maßnahme zur Reduzierung des Tabakkonsums schlagen die Autoren Erhöhungen der Tabaksteuer seitens der einzelnen Regierungen vor.

Von weltweit etwa 1,1 Milliarden Rauchern beginnen die meisten in jungen Jahren mit dem Rauchen; in den Hocheinkommensländern allein 80% im Teenageralter. In den Niedrig- bzw. Mitteleinkommensländern hingegen liegt das Einstiegsalter mit Anfang zwanzig höher, jedoch sinkt es mittlerweile auch dort. Rauchen hat in zweifacher Hinsicht negative Auswirkungen auf die Raucher: zum einen stellt Nikotin einen extrem süchtigmachenden Stoff dar (Rückfallquoten ohne Entwöhnungsprogramme von bis zu 98%), der in seinem Suchtpotenzial oft vom Verbraucher unterschätzt wird, zum anderen verursacht Rauchen tödliche Krankheiten: etwa 50% aller Langzeitraucher kommen durch ihren Tabakkonsum um. Raucher verursachen außerdem Kosten für die Allgemeinheit. In den Hocheinkommensländern müssen ungefähr 6 bis 15% der jährlichen Kosten für die Behandlung tabakbedingter Erkrankungen ausgegeben werden. Selbst wenn man das geringere Sterbealter von Rauchern einbezieht, sind die Gesundheitskosten für die Raucher höher als die von Nichtrauchern.

Da die wenigsten Raucher, gerade im Teenageralter, die Risiken kennen, ist es wichtig, insbesondere Jugendliche und Heranwachsende vor den Gefahren des Rauchens zu schützen. Es ist allerdings nur begrenzt möglich, jüngere Menschen durch Gesundheitserziehung vom Rauchen abzuhalten. Auch die Verringerung des Tabakangebots durch Handelsbeschränkungen oder Ersatzanbau hätte keinen nennenswerten Rückgang des Tabakkonsums zur Folge. Ein probates Mittel, den Tabakkonsum einzudämmen, ist nach Meinung der Autoren eine höhere Besteuerung. So ist zu erwarten, dass eine 10%ige Preiserhöhung pro Schachtel die Nachfrage nach Tabak in den Hocheinkommensländern um vier Prozent, in den Niedrig- und Mitteleinkommensländern um acht Prozent senkt. Für den Bericht entwickelte Modelle zeigen, dass Steuererhöhungen, die den realen Preis pro Schachtel weltweit um zehn Prozent erhöhen, 40 Millionen der 1995 lebenden Raucher zum Aufhören hätten bewegen können und somit zehn Millionen Tabaktote hätte verhindern können. Zusätzlich müssten die Regierungen wirksame nichtpreisliche Maßnahmen wie Verkaufsförderungsverbote für Tabak, Informationsmaßnahmen in Massenmedien, deutliche Warnhinweise auf Packungen und Forschungsprojekte über die Folgen des Tabakkonsums fördern.

Die Bedenken von Politikern, dass durch eine höhere Tabakbesteuerung Arbeitsplätze abgebaut werden und somit die Steuereinnahmen sinken sowie der Schmuggel von Tabakprodukten steigen würde bzw. ärmere Tabakkonsumenten stärker von der Erhöhung der Preise betroffen wären, konnte der Bericht ausräumen. So ergaben Berechnungen, dass in Kanada durch eine Reduzierung der inländischen Ausgaben für Tabak im Jahr 1992 lediglich ein Beschäftigungsrückgang von 0,1% zu erwarten gewesen wäre (ähnliche Zahlen ergaben sich für andere Industrieländer wie USA oder GB). Der Bericht empfiehlt, dass Regierungen auf mehrere Ziele gerichtete Strategien wie Steuererhöhungen und nichtpreisliche Maßnahmen (s.o.) wählen sollten, und internationale Organisationen der UN durch ihre Politik sicherstellen müssen, dass Tabakprävention die ihr angemessene Bedeutung erhält.

Autor: Tobias Kirsten

Quelle: Jha, Prabhat et al. (1999): Der Tabakepidemie Einhalt gebieten, Regierungen und wirtschaftliche Aspekte der Tabakkontrolle, The World Bank, Washington D.C.