Schichtspezifische Unterschiede beim Alkohol und Tabakkonsum von Frauen und Männern

von Dieter Henkel, Uwe Zemlin und Peer Dornbusch

Während epidemiologische Studien zu Zusammenhängen zwischen sozialer Schicht und Tabakkonsum in der Regel einen höheren Konsum in der Unterschicht nachweisen, ist die Datenlage zum Alkoholkonsum weit weniger eindeutig. Dies führen die Autoren auf Probleme im Studiendesign zurück und ließen so zahlreiche Überlegungen in die Auswahl der Stichprobe einfließen. Als Datenbasis diente der vom Robert- Koch-Institut durchgeführte Bundesgesundheitssurvey von 1998 mit über 7000 befragten Personen im Alter von 18-79 Jahren. In die vorliegende Untersuchung wurden allerdings nur die 25-50jährigen einbezogen, da bei jüngeren oder älteren Personen signifikante Interaktionseffekte bestehen, durch die der Schichtvergleich verzerrt werden könnte. Die Stichprobe wurde nach dem modifizierten Winkler-Index, der Schul- und Ausbildungsabschluss, Äquivalenzeinkommen (bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen) und Stellung im Erwerbsleben berücksichtigt, in die Gruppen Oberschicht (n = 371), Mittelschicht (n= 647) und Unterschicht (n = 322) unterteilt. Personen mit unsicherer Sozialschichtzuordnung wurden ausgeschlossen.

Hinsichtlich des Alkoholkonsums wurde nach der Trinkfrequenz pro Monat und der dann üblicherweise zu sich genommenen Menge Alkohol gefragt, die in Reinalkohol umgerechnet Ecstasykonsumenten mindestens 3 Fragen. Dies traf für ein Viertel der Konsumenten anderer illegaler Drogen und nur für 5% der Personen ohne Drogenerfahrung zu.

Auch für dissoziales Verhalten nach dem 15. Lebensjahr zeigen Jugendliche und junge Erwachsene, die Ecstasy genommen haben, ebenso wie Konsumenten anderer Drogen, höhere Werte als die Kontrollgruppe. Die Ecstasykonsumenten zeigen im Vergleich zu den Konsumenten anderer illegaler Drogen deutlich höhere Werte bei den Kriterien "Regelverletzung", "Aggressivität", "Missachtung der eigenen Sicherheit oder der Sicherheit anderer" und "Verantwortungslosigkeit".

Frauen zeigen durchweg weniger dissoziale Verhaltensweisen als Männer, wobei dieser Unterschied in den Gruppen mit Drogenkonsum ausgeprägter zu finden ist.

Der Einnahmehäufigkeit scheint übrigens hinsichtlich der untersuchten Fragestellung keine besondere Bedeutung zuzukommen. Die Studie ist Teil des Suchtforschungsverbundes ASAT (Allocating Substance Abuse Treatments To Patient Heterogeneity): www.asat-verbund.de.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: van Niekerk, C., Höfler, M., Pfister, H., Schütz, C. und H.-U. Wittchen (2003) Dissozialität bei Ecstasykonsumenten. In: Sucht 49 (4) 280-291.