Rauchen verkürzt die Lebenserwartung - Aufhören lohnt immer - Ergebnisse einer Langzeitstudie

von Richard Doll, Richard Peto, Jillian Boreham und Isabelle Sutherland

Durchschnittlich zehn Jahre früher sterben Männer, die lebenslang rauchen, im Vergleich zu lebenslangen Nichtrauchern. Dies zeigen Daten einer umfangreichen Langzeitstudie aus Großbritannien. Insgesamt 34.439 Ärzte, die zwischen 1851 und 1930 geboren worden waren, wurden von 1951 an in regelmäßigen Abständen zu ihren Rauchgewohnheiten befragt. 2001 fand die letzte Befragung statt. Nur 17% der Befragten hatten ihr ganzes Leben lang nicht geraucht. Während der 50jährigen Laufzeit der Studie wurden ebenfalls die Mortalitätsraten und die Todesursachen erfasst. Die Mortalitätsraten durch Tabakkonsum waren bei den Männern, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts geboren worden waren deutlich höher als bei den Männern, deren Geburtsjahrgang zwischen 1851 und 1899 lag. Dies führen die Autoren darauf zurück, dass sich erst mit Beginn des 20. Jahrhunderts der Konsum von industriell gefertigten Zigaretten ausbreitete.

Die allgemeine Lebenserwartung hat sich zwar während der Laufzeit der Studie durch Prävention und verbesserte Therapie insgesamt erheblich gesteigert, doch wird dieser positive Effekt bei den Rauchern durch den Tabakkonsum fast vollständig aufgehoben. So lag die Wahrscheinlichkeit im Alter von 35-69 Jahren zu sterben bei einem rauchenden Studienteilnehmer der Geburtskohorte 1900-1909 im Durchschnitt bei 42%, bei einem Nichtraucher dagegen nur bei 24%. Bei den 1920 geborenen war das Risiko noch deutlicher erhöht. Durchschnittlich starben 43% der Raucher im Alter von 35-69 Jahren aber nur 15% derjenigen, die nie geraucht hatten.

Die Studienergebnisse zeigen weiterhin, dass sich das Aufhören auch im späten Alter noch auf die Lebenserwartung auswirkt. So lebten Männer, die mit 60 Jahren das Rauchen aufgaben durchschnittlich drei Jahre länger als jene, die lebenslang rauchten. Wer mit 50 Jahren das Rauchen aufgab gewann 6 Jahre, wer mit 40 nicht mehr rauchte, lebte 9 Jahre länger. Die Lebenserwartung der Ärzte, die sich bereits mit 30 Jahren gegen das Rauchen entschieden hatten, entsprach schließlich in etwa der von Nichtrauchern. Die Studie wurde von einigen ausgewiesenen Experten durchgeführt, darunter der Begründer der modernen Epidemiologie, Richard Doll, der bereits in den 50er Jahren den Nachweis lieferte, dass Rauchen eine der Ursachen von Lungenkrebs darstellt und Sir Richard Peto, Professor für medizinische Statistik an der Universität Oxford. Die hier befragte Studienpopulation, kann als erste Population weltweit gelten, für die die Langzeitfolgen des Rauchens, aber auch die Gewinne durch das Aufhören direkt nachgewiesen werden konnte.

Autorin: Anja Meurer

Quelle: Doll, R. (Peto, R., Boreham, J. u. Sutherland, I. (2004) Mortality in relation to smoking: 50 years' observations on male British doctors. In: British Medical Journal 328, 1519